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buergerkarte unbenutzbar – dafuer aber jetzt mit wurzelzertifikat

die buergerkarte ist so ein ding, dass mir bisher ziemlich egal war. zum einen auch in dem (begruendeten) verdacht, dass das technisch ohnehin noch schrottig sein wird.

das ist es anscheinend tatsaechlich noch. electrobabe hat mal versucht das zeug mitsamt benoetigter software zum laufen zu bringen. der bericht ist bebildert und liest sich teilweise sehr unterhaltsam :)

…schon kommt die erste aufforderung. ok, ich installiere ein sogenanntes wurzelzertifikat!
[…]
irgendwas stimmt nicht. drücken wir sicherheitshalber mal “Ja”. man will ja nicht so negativ klingen
[…]
trotz zertifikaten ohne ende und verschlüsselung werden jetzt daten unverschlüsselt geschickt!
[alles lesen]

hahahaha… “wurzelzertifikat”. eins zu eins uebersetzungen tragen ja im allgemeinen sehr stark zur unterhaltung bei. bin gespannt wann dann auch linux demnaechst nach seinen “wurzelrechten” fragen wird.

so wie aussieht scheint sich noch nicht mal die benoetigte software ohne probleme installieren zu lassen. aber alle buerger (auch solche die gerade mal den einschaltknopf am rechner finden) sollen diese super-tolle karte unbedingt nutzen. weil oesterreich ist ja schliesslich modern und ganz vorne dabei und dass irgendwann zwischendurch daten auch mal unverschluesselt versendet werden, ist sicherlich auch nur ein bedauerlicher fehler, der gar nicht so schlimm ist. wenn das ding erstmal haben, werden grossartige zeiten anbrechen….

ich wuerde das ding nicht mal jemanden andrehen wollen, der wenigstens ein bisschen ahnung von dem hat, was er da so vorm rechner macht. was da bei der softwareinstallation abzugehen scheint, ist echt nicht mehr schoen. zumal es sich bei der buergerkarte um einen aeusserst sensiblen bereich handelt. mir ist daher auch voellig unverstaendlich wie man so ein wichtiges projekt dermassen scheisse und fuer den endanwender nicht nutzbar umsetzen kann. nur gut, dass die funktionen der buergerkarte (wie man sieht, zu recht) noch nicht so viel genutzt werden.
achso uebrigens, die von itsolution haben diesen krampf verbrochen. damit ist fuer mich das thema erstmal wieder in weite ferne gerueckt. zumal ich auch keine lust haette mir dafuer extra nochmal ein kartenlesegeraet zu kaufen.

ha – liebe deutsche, nicht nur ihr koennt it-grossprojekte scheisse umsetzen. die oesterreicher haben das mindestens genauso gut drauf ;)

update 05-11-2008
es geht weiter. anscheinend war die gueltigkeit der buergerkarte abgelaufen. deshalb hat das mit den zertifikaten nicht geklappt. aber es waere ja kein super hippes e-government, wenn bei einer reaktivierung der karte nicht auch noch probleme auftauchen wuerden. aber lest selbst.
oh mann, haben die das ganze konzept dahinter verschlampt. ich glaube es nicht. wie soll man sowas blos jemals als “normaler” nicht technikaffiner buerger problemlos hinbekommen?
haetten andere so minderwertiges zeugs abgeliefert, waeren die zu recht schon lange pleite gegangen…

e-voting und usability

(der beitrag ist auch auf papierwahl.at zu lesen)

wie zu erwarten, wird es kurz vor den praesidentschaftswahlen in den usa nochmal spannend. nicht nur im bezug auf den neuen praesidenten, sondern auch mit problemen bei e-voting systemen. so berichtet etwa die huffington post in einem artikel [1], dass tv-star oprah winfrey sich vorgestern ueber probleme bei ihrer stimmbgabe (early-voting) beschwert hat:

It was my first time doing electronic, so I didn’t mark the X strong enough, or I held down too long. Because then when I went back to check it, it had not recorded my presidential vote

das system hat also erstmal die stimmabgabe nicht (richtig) erkannt. in dem dazugehoerigen video auf der seite, berichtet sie unter anderem auch von einer wartezeit von 1h 12min.
oprah hat auf jeden fall eine grosse medienwirkung in den usa, was dem thema jetzt nochmal einigen aufschwung verleihen duerfte.

aber nochmal zurueck zu den anderen problemen. auch wenn sich das noch nicht wirklich nach einem schwerwiegenden fehler seitens des systems anhoert, so spricht es doch einen wesentlichen punkt an – naemlich die usability, also die benutzbarkeit des systems durch den endanwender. darunter fallen sachen wie, eine klare und einfache benutzeroberflaeche, ausreichend grosse schrift und so weiter, die dem waehler eine schnelle und eindeutige stimmabgabe ermoeglichen. der papierstimmzettel sollte im idealfall weitestgehend originalgetreu nachgebildet werden.

in diesem bereich gab es auch juengst bei den kommunalwahlen in brandenburg probleme. gerade aelteren menschen, die eine sehr grosse waehlergruppe darstellen, hatten sehr oft schwierigkeiten die zu kleine schrift auf den displays lesen zu koennen. daraus resultieren im endeffekt eine gewisse unsicherheit gegenueber der technik, da sie sich nicht ohne weiteres bedienen laesst, aber auch laengere wartezeiten bei der stimmabgabe. dazu heisst es im wahlbeobachtungsbericht [.pdf] des chaos computer club unter anderem

Erstmals wurden in ausnahmslos allen beobachteten
Wahllokalen massive Bedienungsschwierigkeiten festge-
stellt.
Trotzdem die Anforderungen der Physikalisch-Techni-
schen Bundesanstalt an die Wahlcomputer festschreiben,
daß alle Angaben auf dem Tastentableau „gut erkennbar“
und „gut lesbar“ sein sollen, war dies in der Praxis nicht
der Fall. Die Wahlcomputer wurden durchweg mit ange-
hängten Leselupen in den Wahllokalen aufgestellt, da
selbst für normalsichtige Menschen die winzigen Tasten-
beschriftungen der Wahlvorschläge nicht ohne weiteres zu
entziffern waren. Gerade ältere Menschen waren auch un-
ter Zuhilfenahme der Lupen oft nicht in der Lage, ihren
gewünschten Wahlvorschlag aufzufinden.

die usability stellt neben der sicherheit und transparenz elektronischer wahlsysteme, einen enorm wichtigen faktor dar. dieser wurde jedoch anscheinend von den herstellern bislang unterschaetzt und in folge dessen unzureichend umgesetzt.


[1] via fefe

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