“Sicherheit essen Kinder auf”: (kurze) eindruecke

wie angekuendigt fand letztes wochenende die veranstaltungsreihe “Sicherheit essen Kinder auf” in graz statt. aufgeteilt war dies in 3 teile, wobei ich den letzten teil (das soli-konzert) ausgelassen habe. zu den anderen beiden gibts jetzt ein paar kurze eindruecke:

Totale Überwachung – und warum wir uns dagegen wehren müssen
Sa 28.2., 18 Uhr, Ort: Spektral, Lendkai 45
Vortrag und Diskussion mit: Prof. Hermann Maurer (TU Graz)
:
der vortrag beschaeftigte sich, wie der titel sagt, mit ueberwachung. fuer mich gabs da relativ wenig neues zu hoeren, deshalb will ich nur kurz ein paar angesprochene themen auflisten:
google, rfid, microsoft (& der fast yahoo kauf), datenspuren im netz, und irgendwas hab ich sicher noch vergessen.
im laufe des vortrags schwang das pendel dann auch mal richtung blogs und die wikipedia. von diesen sachen war maurer nicht sonderlich ueberzeugt. grundtenor war in etwa – blogger sind leute mit einer aufmerksamkeitsspanne einer eintagsfliege, die alles unreflektiert rauskrakelen. die wikipedia hat die “klassischen” enzyklopaedien kaputt gemacht und bietet gerademal mittelpraechtiges wissen.

zu den blogs: es bleibt jedem selbst ueberlassen welche blogs man liest. sicherlich gibt es unzaehlige die lolcats und was-es-heute-zum-fruehstueck-gab als themen haben. so what!? es gibt genauso diejenigen, die lange reflektierte texte haben, positionen (man mag es nicht glauben, gelegentlich auch ueber dem ueblichen stammtischniveau) diskutieren, vielleicht auch neue sichtweisen eroeffnen und vor allem auch themen behandeln die in den klassischen medien wenig bis kein gehoer finden. die erfahrung mache ich zum beispiel aeusserst regelmaessig. und abgesehen davon, warum sollen blogs nicht auch der unterhaltung dienen?
zur wikipedia: es wurde mal wieder das alte klaglied angestimmt. die boese, boese wikipedia macht die ganzen enzyklopaedien ala brockhaus und wie sie alle heissen, kaputt. und ueberhaupt, in der wikipedia ist ja alles bloss so mittel – meistens. was voellig ausser acht gelassen wurde, die wikipedia bietet ploetzlich einer riesigen anzahl von menschen zugang zu wissen (die qualitaetsdebatte will ich an dieser stelle nicht aufreissen), dies schnell, unkompliziert, kostenlos und leicht durchsuchbar. alles offensichtlich wichtige eigenschaften, die die anderen bisher nicht in dieser form bieten konnten.
damit das jetzt nicht zu ausufernd wird – es geht schliesslich um die vortraege allgemein – brech ich das an der stelle mal ab. ich will jetzt auch nicht wikipedia und blogs allgemein in schutz nehmen, da gaebe es ziemlich viel verbesserungswuerdiges, aber die ausfuehrungen von maurer fand ich in der hinsicht nur schwach. quasi das was er den blogs vorwirft, hat er da selbst angewandt – unreflektiert und schlecht recherchiert.

zum schluss gabs dann nochmal einen kurzen ausblick richtung zukunft. auch nur kurz in stichworten: drohnen, zunehmende ueberwachung / datensammelungen, aber man wird sich auch in zukunft wehren bzw. mit genuegend motivation, sich dem entziehen koennen.

insgesamt gab der vortrag einen relativ weitgefaecherten einstieg zum thema ueberwachung. fuer mich persoenlich altbekannte sachen ;) aber anhand der reaktionen des publikums konnte man auch sehen, dass es fuer einige relatives neuland war. auch kam der vortrag etwas unterhaltsamer rueber als so manch anderer zu diesem themenkomplex.
abgesehen von den beiden oben angesprochen sachen, hat mich gestoert, dass es doch relativ wenig konkrete vorschlaege fuer den einzelnen gab, wie man sich denn nun schuetzt, was man gegen die datensammel- und ueberwachungswut machen kann.

immerhin das buch “Kampf dem großen Bruder” von Hermann Maurer gabs fuer die besucher fuer umsonst (bzw. gegen eine freiwillige spende) ;)

Weg mit §278a! Politische Praxis und staatliche Repression
So 1.3., 18 Uhr, Ort: Sub, Kaiser-Josef-Kai 66

jan, einer der 10 tierrechtsaktivisten, der aufgrund des paragraphen 278a ins gefaengnis kam, erzaehlte von seinen erlebnissen und erfahrungen dort. am anfang wurde natuerlich erst mal kurz erlaeutert wie es dazu kam, mit welchen “begruendungen” die polizei ihre aktionen rechtfertigte etc. das kann man aber auch an anderer stelle nachlesen. darueber wurde schon einiges berichtet und ich gehe einfach mal davon aus, dass man ueber die scheisse die da passiert ist, bescheid weiss.

viel spannender in dem zusammenhang fand ich die schilderungen vom gefaengnisleben.
spaerliche ausgestattete zelle, probleme/lange wartezeiten beim organisieren von kleidung, buechern, tabak und so weiter, eintoeniges dasein, diskriminierendes bis rassistisches verhalten der polizei/waerter gegenüber auslaendischen gefangenen, dennoch ein gewisser zusammenhalt der haeftlinge untereinander (also nicht so wie man das aus filmen kennt), fernseher oder radio in der zelle war schon luxus, duschen zweimal in der woche, essen von schlechter qualitaet (v.a. wenn man veganer ist), besucher nur einmal (oder waren es zweimal?) pro woche fuer 30 minuten.
insgesamt wurde die zeit im gefaengnis schon als ziemlich trisst dargestellt und wenn man nicht das glueck hat radio oder fernseher in der zelle zu haben und auch nicht an zeitungen kommt, kriegt man eigentlich kaum was mit von draussen.

allgemein sind mir relativ viele parallelen zum fall andrej holm aufgefallen. gerade was die “verdachtsmomente” der ermittler angeht. stichwort “konspiratives verhalten”: wenn man beispielsweise das handy zu hause laesst, keine genauen treffpunkte mit uhrzeit am telefon vereinbart oder seine mails verschluesselt. und aehnliches.
auch scheint es bei diesem fall keine ermittlungsergebnisse zu geben. zumindest wurde bis jetzt noch nichts gefunden, was die ganze aktion irgendwie gerechtfertigt haette. meiner meinung nach wird es dazu auch nicht kommen.

um zum schluss zu kommen: insgesamt denke ich schon, dass es weiterhin einen gewissen bedarf an solchen veranstaltungen in graz gibt. datenschutz und ueberwachungsthemen werden zunehmend populaerer und die sensibilisierung der leute scheint (wenn auch langsam) in gang zu kommen.
auch wenn der zweite teil im sub eher schlecht (im vergleich zum ersten teil) besucht war, was eventuell auch an der location gelegen haben koennte – aber ich weiss es nicht. man sollte sowas in zukunft auch besser propagieren, ich bin da wirklich nur durch zufall drauf gestossen. wobei, man sich dann auch auf die suche nach einer anderen location machen muesste. beide, das sub und das spektral, bieten nicht wirklich viel platz. und das spektral war schon ziemlich voll im ersten abend.
bleibt zu hoffen, dass zukuenftig mehr solcher veranstaltungen – vielleicht auch in verbindung mit workshops, kunstaktionen und so weiter – in graz stattfinden.

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