telekompaket und die freiheit im netz

ich muss zugeben, das telekompaket und die daraus resultierende einschraenkung der freiheit im netz, hier bisher zu wenig beachtet zu haben.
zum einen weil es mich doch ziemlich ueberrascht, dass dieser muell auf eu-ebene durchkommt. zum anderen weil ich den freien und ungehinderten zugang zum netz als grundsaetzlich und selbstverstaendlich erachte. dass die damen und herren internetausdrucker, das nicht verstehen (koennen / wollen) und stattdessen sich lieber zucker von der contenmafia in den arsch blasen lassen, zeigt das geplante telekompaket.

um auch mal ein paar wesentlich kritikpunkte zu benennen:
censoredscreen

* die netzneutralitaet ist in gefahr
bisher ist es so, dass die provider in der regel alle datenpakete mit der gleichen prioritaet weiterleiten. wenn ich beispielsweise ein video auf youtube schaue, werden die daten gleich “behandelt”, wie wenn ich ein blog aufrufe. vorstellbar waere (sollte das telekompaket durchkommen), dass einige provider sagen videocontent braucht viel bandbreite, das wird am schlechtesten priorisiert (oder gar ganz gesperrt), es sei denn der kunde zahlt einen aufpreis. das waere dann schlussendlich auch gleichzusetzen mit zensur.

* die provider sollen fuer rechtsverstoesse ihre kunden haftbar gemacht werden
das heisst, wenn ein boeser, menschenverachtender, moral- und ethikloser filesharer ein musikstueck auf brutalste art und weise aus dem internet raubt, sollen kuenftig die provider belangt werden. deshalb liegt denen dann auch relativ viel daran zu wissen, was ihre kunden so machen und moegliche straftaten schon von vornherein zu verhindern. was das zur folge hat, ist klar.

* was mit dem vorigen einhergeht sind diese “internetsperren”
meistens war glaube ich, die rede davon, nach 3 verstoessen wird deine internetleitung gekappt. das ist nicht nur total schwachsinnig und merkbefreit, sondern nimmt den menschen den zugang zu einem (kultur)medium.
um mal ein konstruiertes beispiel zu nehmen: wenn ich jemanden mit einem buch erschlage (was aus sicht der contentmafia durchaus mit einem raubkopierten musikstueck gleichzusetzen ist), glaube ich kaum, dass mir der zugang zu buechern im knast verwaehrt wird.

das duerften noch nicht alle zu kritisierenden punkte sein. ich gebe zu, mich nicht ausfuehrlichst mit diesem ganzen geplanten sondermuell beschaeftigt zu haben. aber die drei genannten punkte sind die auffaelligsten und allein schon wegen jedes einzelnen, darf diese ganze scheisse einfach nicht passieren.

der ccc hat heute auch eine meldung zum thema rausgebracht, aus der ich zum abschluss noch ein paar saetze zitiere:

Der CDU-Plan sieht vor, Provider zur Installation von Filtersystemen zu verpflichten. Internet-Routerhersteller bieten solche Geräte gern zur “Optimierung der Bandbreitennutzung” für Internetanbieter an. Dass sie ohne weiteres zur Zensur beliebiger Internetinhalte benutzt werden können, ist bislang kaum bekannt. Mit der durchgehenden Installation solcher Zensurgeräte wäre das komplette Ausblenden missliebiger oder oppositioneller Inhalte für den Normalnutzer problemlos möglich. Einzig die Frage, wer nach welchen Kriterien die Zensurlisten verwaltet, ist dann noch von Belang.

“Damit begeben sich Europa und Deutschland auf eine Stufe mit Diktaturen und Unterdrückungsregimes, die ihre Bevölkerung nach eigenem Bekunden auch nur vor ‘schlechten Einflüssen’ schützen wollen”, sagte CCC-Sprecher Dirk Engling. “Die für Innovation, Fortschritt, Meinungsfreiheit und gesellschaftliche Entwicklung zwingend notwendige Netzneutralität wird damit ausgehebelt.”
[…]
“Wieder einmal werden hier Geist und Buchstabe der Verfassung ignoriert. Ob dies nun aus Unfähigkeit oder Böswilligkeit geschieht, ist mittlerweile unerheblich geworden”, fasste CCC-Sprecher Dirk Engling zusammen.

[ccc.de]

update
ein paar aktuelle infos: “Telekom-Paket geht in die zweite Runde“.
um das thema im ueberblick zu behalten, sollte man ohnehin netzpolitik lesen, da die sich beim telekompaket sehr stark engagieren und immer ziemlich zeitnah berichten.

picture: melissa / creative commons nc-by-nd 2.0

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