Daily Archives: 2007-11-20

video: streik der berliner s-bahner

auf kanalb.org gibt’s ein kurzes video vom berliner s-bahn streik letzte woche.

15.11.2007: Der bisher größte Bahnstreik in der Nachkriegsgeschichte beginnt, die GDL streikt bundesweit im Güter- und Personenverkehr. In Berlin protestierten etwa 80 S-Bahner vor dem Hauptbahnhof gegen die starre Haltung der Deutschen Bahn AG und werben um Verständnis für ihre Entschlossenheit in der Tarifauseinandersetzung.
[von hier]

schoenes zitat aus dem video – “es werden keine luegen verbreitet, aber auch keine wahrheiten.”

zum video geht’s hier lang.
oder als direktdownload
[.ogg (theora), dauer: 08:20min, groesse: ca. 60mb]
(das video steht unter einer creative commons lizenz)

weitere informationen zum streik gibt’s u.a.
in der wikipedia
und auf bahnstreik-soli.de

die arge daten zur vorratsdatenspeicherung

die arge daten fasst in ihrem heute erschienen artikel “Vorratsdatenspeicherung – eine sicherheitspolitische Sackgasse” noch einmal schoen zusammen, welche auswirkungen die vorratsdatenspeicherung mit sich bringen wird:

Permanentüberwachung von Telefon und Internet

Unter dem Schlagwort “Vorratsdatenspeicherung” sollen in Zukunft alle per Telefon, SMS oder eMail zustande gekommenen Kommunikationsverbindungen mindestens ein Jahr (auf Vorrat) gespeichert werden. Es soll damit möglich sein auch nachträglich die Kontakte einer Person oder eines Unternehmens zu analysieren und offen zu legen.

Im Falle diffuser Bedrohungsbilder, wie Terrorismus oder “organisierte Kriminalität” könnte damit flächendeckend das Kommunikationsverhalten aller Bürger offengelegt und ausgeforscht werden.

Mit Grundwerten einer offenen Gesellschaft unvereinbar

Art. 10a des Staatsgrundgesetzes (StGG) garantiert das Recht auf unbeobachtete elektronische Kommunikation (Kommunikationsgeheimnis), das auch das Recht umfasst, unbeobachtet seinen Kommunikationspartner auswählen zu dürfen.
[…]
Die Österreicher werden von Politikern wie Schüssel oder Gorbach bewusst belogen und in die Irre geführt, wenn behauptet wird, dass schon heute “Verbindungsdaten sechs Monate aufbewahrt werden” (O-Ton Dr. Schüssel) oder dass das Speichern der Verbindungsdaten bloß ein geringfüger, quasi zu vernachlässigender Grundrechtseingriff ist (BM Gorbach).

[…]

Überwachung durch Kriminelle leicht zu unterlaufen

Im Gegenzug können Personen und Gruppen, die tatsächlich zum engeren Kern organisierter Kriminalität oder terroristischer Vereinigungen zählen, die Überwachungsmaßnahmen leicht unterlaufen. Sei es durch Nutzung anonymer Wertkartenhandys, die Zusatzkosten von 10 Cent statt 1 Cent pro Minute werden wohl in Kauf genommen werden. Im Internet wird Verschlüsselung benutzt werden oder es wird schlicht mit kodierten Nachrichten gearbeitet.
[…]
Aufgedeckt werden können Kleinkriminalität oder Taten, bei denen das Unrechtsbewußtsein fehlt (Steuer- und Verkehrsdelikte). Bürger die nichts zu verbergen haben, daher ihre Telefon- und Interneteinrichtungen korrekt angemeldet haben, stehen dann im Visier der Überwacher. Die Netzwerke der Querdenker und Regierungskritiker, der Opposition könnten dann aufgedeckt werden.
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weitere angesprochene punkte sind:
*Wirtschaftsspionage wird auf Knopfdruck möglich
*Redaktions-, Anwalts- und Ärztegeheimnis gehen verloren
*Speicherung mit falschen Argumenten gerechtfertigt
*Aberwitzige Kosten sind zu erwarten
*Schutz vor konzeptloser EU-Politik notwendig

in dem zusammenhang nochmal ein hinweis auf die “nein zur internet- und telefonueberwachung“-aktion der arge daten.

"Unwissend, verlogen, heuchlerisch – und stolz darauf?"

twister macht ihrem aerger, bestimmte politiker betreffend, luft (stichwort: vds und online-durchsuchung). im ersten teil des artikels geht sie auf einzelne personen und deren statements bzw. handlungen ein. das schlussresumee sieht dann folgendermassen aus:

Zusammengefasst haben wir also Staatssekretäre, die einerseits zwar in der Öffentlichkeit mit vermeintlichem “Fachwissen” glänzen, sich andererseits aber nicht zuständig fühlen, wenn es darum geht, Fragen des Bundestages zu früherem Verhalten zu erläutern oder dafür Verantwortung zu übernehmen. Weiterhin haben wir Abgeordnete, die trotz schwerwiegender verfassungsrechtlicher Bedenken einem Gesetz zustimmen, weil es die Fraktionsdisziplin verlangt oder aber weil die EU nun einmal verlangt, dass das Gesetz in Deutschland verabschiedet wird.

Und nicht zuletzt haben wir eine Bundesjustizministerin, die einen seltsamen Umgang mit der Wahrheit pflegt und möglicherweise nicht weiß, was “informationelle Selbstbestimmung” ist. Egal ob man diesen Abgeordneten dann Abnickertum oder Heuchelei, Unwissen oder Lügen vorwirft – durch dieses Verhalten werden die Vorurteile gegenüber den Politikern noch einmal gefestigt. Nein, vielmehr stellt man fest, dass es keine Vorurteile sind.

Die Politik lässt zunehmend die Maske fallen und gibt sich nicht einmal mehr Mühe, ihre Dreistigkeit zu verschleiern. Es ist, als würde man dem Bürger sagen wollen, dass es sowieso egal ist, was er denkt. Vor einiger Zeit gab man sich wenigstens noch Mühe, so zu wirken, als würde man wissen, was man tut, oder als würde man das Volk vertreten. Heutzutage lügt man offen oder gibt sein Gewissen für die Fraktionsdisziplin ab. Oder man hatte eben keine Ahnung, was man tat. Wer sich dann noch über Politikverdrossenheit wundert, der muss wirklich sehr verblendet sein.
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[via fefe]

ndr und creative commons

das thema ist ja heute durch verschiedenste blogs und newsticker geschwirrt. muesste eigentlich auch einige aufmerksamkeit erzielt haben. aber der vollstaendigkeit halber bringe ich das hier auch nochmal:

Ausgewählte Beiträge des Medienmagazins “Zapp” und der Satire-Sendung “Extra 3” stellt der Norddeutsche Rundfunk (NDR) ab dem morgigen Mittwoch unter einer Creative-Commons-Lizenz (CC) zur privaten Nutzung im Internet zur Verfügung. Die Filmchen können damit auf Homepages und Blogs eingebunden werden. Der NDR stellt aber die Bedingungen. So muss der öffentlich-rechtliche Sender immer als Urheber genannt werden, die Inhalte dürfen nicht verändert und für kommerzielle Zwecke eingesetzt werden. Damit wählte der NDR das restriktivste der möglichen CC-Lizenzmodelle.
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wie ich finde, ist das noch immer nicht das gelbe vom ei. aber immerhin, man bewegt sich langsam in die richtige richtung.

wie deutsche behoerden an zusaetzliche fingerabdruecke kommen

seit 1. november 2007 gibt es in deutschland den elektronischen reisepass der zweiten generation. d.h. neben gesichtsbild werden nun auch die fingerabdruecke digital auf einem rfid-chip gespeichert. wer sich nicht wie ein krimineller behandeln lassen wollteseine fingerabdruecke nicht digital im reisepass weiderfinden wollte, hat deshalb noch vor november einen reisepass beantragt, um zumindest die naechsten paar jahre ruhe zu haben.
aber anscheinend wollten da die deutschen behoerden nicht so richtig mitspielen:

“…am 22.10.2007 haben Sie einen Reisepass beantragt. Leider wurde Ihr Antrag nicht an die Bundesdruckerrei weitergeleitet. Da es ab 1.11.2007 eine Änderung des Passgesetzes gab, kann Ihr Antrag in der Form nicht mehr bearbeitet werden. Bitte kommen Sie noch einmal bei uns vorbei, um einen neuen Antrag mit Ihren Fingerabdrücken zu erstellen. Ich möchte mich herzlich für die Unannehmlichkeiten entschuldigen.”
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ich bin ja eigentlich ein eher ruhiger mensch, aber haetten die *rschloeche* das mit mir abgezogen, haette ich bei denen gift und galle gekotzt.

[via mellowbox]

der lacher des tages: software soll amoklaeufe verhindern

“Software soll Amokläufe verhindern” berichtet die futurezone…….hahahahaha…..das ganze soll so funktionieren:

Ein Computerprogramm namens DyRiAS soll künftig mithelfen, Gewalttaten wie etwa Amokläufe zu verhindern.

Der deutsche Gewaltforscher Jens Hoffmann arbeitet an einer Software, die vorhandene Informationen über einen potenziellen Attentäter mit den Daten von realen Amokläufen und verhinderten Gewalttaten vergleicht.

und an was fuer daten denken die da? wenn man beispielsweise angibt, dass man marilyn manson hoert, world of warcraft oder sowas spielt und gerne schwarze sachen traegt, ist man amoklaeufer? na gut, da das ganze von einem gewaltforscher und nicht von einem politker entwickelt wird, denke ich mal, dass da etwas mehr dahinter stecken wird.
aber weiter im text:

Das webbasierte Programm solle im Frühjahr 2008 fertig werden, sagte Hoffmann am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Es ist als Hilfestellung für Polizei, Schulpsychologen und Beratungsstellen gedacht.

Software liefert Einschätzung
Der Nutzer muss verschiedene Fragen über den potenziellen Gewalttäter beantworten. Das Programm gibt am Ende einen Text heraus, der einzuschätzen hilft, wie wahrscheinlich es ist, dass eine reale Gewalttat bevorsteht.

Die Forscher machten eine Reihe von aufeinander aufbauenden Indikatoren ausfindig, die auf einen Amoklauf hindeuten wie Verzweiflung, Billigung von Gewalt, konkrete Planungen, eine Ankündigung oder reale Vorbereitungen wie ein Waffenkauf.
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na da habt ihr euch mal ganz was tolles einfallen lassen! anstatt zu versuchen den leuten, die wirklich probleme haben und eventuell auch amokgefaehrdet sind, auf menschlicher seite entgegen zu kommen, lasst ihr sie einfach einen bescheuerten fragebogen vorm rechner ausfuellen. grossartige leistung.
ich weiss nicht ob ich jetzt das falsche bild vor augen habe, aber mich erinnert das sehr an diese online-tests die man machen kann und wo man jedesmal ein anderes ergebnis rausbekommt.

und missbrauch oder datenfaelschung ist natuerlich auch ausgeschlossen (stichwort: webbasierte software). dass sich jemand mal den spass machen wird, um in eurem sinne als amokgefaehrdet abzuschneiden, wird natuerlich auch nicht passieren. mich wuerde eigentlich interessieren was in diesem falle dann passiert – hausdurchsuchung, festnahme,…? man stellt ja dann immerhin ein gefahrenpotential dar.

wie man merkt, halte ich von dieser ganzen software die angeblich den menschen analysieren kann nicht viel. u.a. weil ich (die meisten) menschen fuer viel zu komplex und vielschichtig halte, als das man sie heute mit einer “einfachen” software verlaesslich analysieren koennte.
ausserdem hat solche software doch meist relativ starre strukturen, d.h. kennt man einmal die schwachpunkte bzw. weiss man wie man “richtig” reagieren muss, laesst sich das ganze system problemlos aushebeln. und gerade beim thema amoklauf, gewalt und aehnlichem wuerde ich meinen, kann es nicht sooo schwer sein die “richtigen” antworten zu finden.