Daily Archives: 2007-11-11

was sonst so passiert ist

die letzten tage bin ich ja nicht all zu viel zum bloggen gekommen (ausser heute). hier nochmal kurz eine kleine auswahl an sachen, die im feedreader liegen geblieben sind. ist bei weitem nicht vollstaendig, aber man muss ja auch nicht jeden scheiss posten. ;)

heise
Was war. Was wird.
[…] Trauern wir einen Moment lang dem informationellen Selbstbestimmungsrecht nach, wie es im Volkszählungsurteil formuliert ist: “Das Grundrecht gewährleistet insoweit die Befugnis des Einzelnen, grundsätzlich selbst über die Preisgabe und Verwendung seiner persönlichen Daten zu bestimmen.” Was daraus eine sozialdemokratische Ministerin macht, die nach dem öffentlichen Mutterschaftstest für den Entwurf der Vorratsdatenspeicherung verantwortlich ist, grenzt an die systematische Verdummung der Zuhörer: “Aber das Recht auf informationelle Selbstbestimmung heißt ja nur, dass Bürger darüber informiert werden müssen, wer was von ihnen speichert.” Es mag ja sein, dass eine Juristin nicht wissen muss, was ein Browser ist, aber eine gewisse Kenntnis der Gesetze wär nicht schlecht. Sonst müssen bei solch radikaler Ahnungslosigkeit am Ende die von der SPD verfügten “Grundsätze zur Frage der verfassungsfeindlichen Kräfte im öffentlichen Dienst” neu formuliert werden. Zumindest wird klar, warum eine Brigitte Zypries wunderbar zwischen EU-Scharfmacher Franco Frattini und Ernst Uhrlau passt, dem Chef der Südmilch-Truppe. […]
Kritik an Anti-Terrorlisten von UN und EU
Auf den Schwarzen Listen der Vereinten Nationen und der Europäischen Union über Terrorverdächtige stehen nach Erkenntnissen des Berichterstatters der Parlamentarischen Versammlung des Europarates Dick Marty auch unbescholtene Bürger. Für eine Privatperson, die nur aufgrund “vager Verdachtsmomente” in das Visier des US-amerikanischen Geheimdienstes CIA geraten sei, bedeute ein solcher Eintrag eine “zivile Todesstrafe”, sagte Marty vor der Vorstellung seiner Untersuchung am Montag in Paris. […]

futurezone
Die IT-Woche im Überblick
Deutschland stimmt für die Vorratsdatenspeicherung, die EU stellt ihr System zur Sammlung von Fluggastdaten vor, und Infineon zeigt ein in Österreich entwickeltes Radarsystem, das den Fahrer vorwarnen soll, wenn Gefahr naht. Das war die IT-Woche vom 4. bis 10. November.
Österreicher lehnen E-Voting ab
Nicht ganz dem Wählerwillen entspricht die ÖVP mit ihrem vehementen Eintreten für das E-Voting.

58 Prozent der Österreicher lehnen das Wählen via Internet ab, ergab eine OGM-Umfrage, berichtet “profil” am Samstag.
Warten auf das schnelle Netz
Noch immer steigt jeder fünfte Österreicher über Modem ins Netz ein. Und auch nur knapp jeder Fünfte nutzt einen schnelleren Breitbandanschluss. Das politische Interesse, Österreichs Infrastruktur fit für die Wissensgesellschaft zu machen, scheint sehr begrenzt. […] Die Koalition von ÖVP und SPÖ versprach Anfang 2007 schließlich einen neuen Anlauf in Sachen Breitband, was im Wesentlichen den Ausbau von Glasfasernetzen bedeutet. Von den 300 Millionen Euro, mit denen sich der privatisierte Marktführer Telekom Austria [TA] an der Erweiterung beteiligen hätte sollen, weiß dort niemand etwas.

fefes blog
Der Staat hat Journalisten und Anwälte abgehört.
Im aktuellen Fall hat die Polizei im Zuge zweier Ermittlungen gegen mutmaßliche Linksextremisten Telefongespräche von Journalisten und Anwälten abgehört und diese Gespräche protokolliert. Unter den betroffenen Journalisten sind auch ein Mitarbeiter von tagesschau.de sowie ein Redakteur der Hörfunkwelle NDRInfo. Auch andere Journalisten, etwa vom Berliner “Tagesspiegel”, wurden bei Recherchegesprächen überwacht. […] Naja, immerhin haben sie die Journalisten benachrichtigt, nachdem sie sie abgehört hatten, wie das Gesetz es vorschreibt. Richtig? Falsch.

weder die abgehörten Journalisten noch die Verlagshäuser wurden über die Maßnahme informiert. Die beiden betroffenen NDR-Mitarbeiter erfuhren zunächst nur durch Dritte von der Aktion.
demnächst wird auch bei uns das Beschnüffeln der Bevölkerung bei einer einzelnen Behörde zusammengeführt, dem Bundesverwaltungsamt.
Wißt ihr, wie das für mich klingt? Nach einem Amt, wo Leute arbeiten, bei denen sie beim Versuch gescheitert sind, zu benennen, wieso die eigentlich Geld kriegen. Ich stelle mir da einen Moloch von Monsterbehörde vor, wo jeden Morgen tausende von anderswo überflüssigen Leuten hin schlurfen, alle so inkompetent, dass sie anderswo zur Schadensminimierung weg “befördert” wurden.

kai raven
Gegen Vorratsdatenspeicherung & ausufernde Telekommunikationsüberwachung
Abgeordnete der CDU, CSU und SPD im Bundestag
haben am 09.11.2007
mit 366 Stimmen GEGEN

* das Recht auf informationelle Selbstbestimmung
* die Befolgung der Prinzipien Datenvermeidung und Datensparsamkeit zur Verhinderung von Datenmissbrauch und StÀrkung des Datenschutzes
* die Einhaltung rechtlicher Normen im deutschen und europÀischen Datenschutzrecht
* das Recht auf freie MeinungsÀuà erung
* das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit
* die Wahrung des Prinzips der Unschuldsvermutung
* den Schutz des Kernbereichs privater Lebensgestaltung
* den Schutz des vertraulichen VerhÀltnisses von AnwÀlten, à rzten, Journalisten zu Mandanten, Patienten und Informanten
* die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung
* das Fernmeldegeheimnis bzw. die staatlich unbeobachtete und ungehemmte Kommunikation und Meinungsbildung
* den unbeobachteten Aufenthalt und die unkontrollierte Bewegung im öffentlichen Raum

GESTIMMT!

todesangst beeinflusst wahlergebnisse

Wer an das eigene Ende erinnert wird, entwickelt unbewusst Strategien gegen die Furcht vor dem Sterben. Die Einflüsse sind so stark, dass sie sogar den Kunstgeschmack beeinflussen – und das Wahlverhalten. […] Laut einer Studie von 2003 mindert Todesangst sogar die Kritikfähigkeit: US-Amerikaner bewerteten fiktive Aussagen, die das eigene Land in ein schlechtes Licht rückten, viel negativer, wenn sie zuvor an die eigene Sterblichkeit erinnert worden waren. […] Die Zustimmung für George W. Bush und seine Antiterror-Politik wuchs unter dem Einfluss existenzieller Sorgen rasant. Auf einer fünfstufigen Skala erhielt der amtierende Präsident der USA bei “todesgewissen” Studierenden passable Werte jenseits der 3,5. Fehlte der Wahlhelfer Sterblichkeit, beurteilte man Bush viel kritischer, und er erhielt im Schnitt eine magere 2,2 an Zustimmung.
[…]
In der Diskussion ihrer Ergebnisse betonen die Forscher den entscheidenden Einfluss der Todesgewissheit – und das nicht nur im Labor, sondern auch bei der wirklichen Wahl am 2. November 2004: Vier Tage zuvor war ein Bin-Laden-Video im Fernsehen gezeigt worden. Aus Sicht der Psychologen verdankte der amtierende US-Präsident Bush seine zweite Regierungsperiode den impliziten Terror-Management-Reaktionen seiner Wähler auf die Botschaft des Al-Kaida-Terroristen.
[alles lesen]

aber das mit dem bin-laden video so kurz vor der wahl (das wissen wir doch alle) war reiner zufall. ;)
aber mal im ernst: wenn man das so liest….ist ganz schoen gruselig alles.

[via fefe]

der plan – copyright slavery

von der plan gibt es einen netten song namens “copyright slavery”. das video zu diesem kann man sich hier anschauen:

der plan – copyright slavery
[oder alternativ hier | direkt (.mp4/02:25min)]

Lyrics:

Software kann man nicht stehlen
Ideen sind frei
Software kann man nicht stehlen
Ideen sind frei

Copyright Sklaverei, Copyright Sklaverei
Copyright Sklaverei, Copyright Sklaverei

Software you can’t steal
Ideas are free
Software you can’t steal
Ideas are free

Copyright Slavery, Copyright Slavery
Copyright Slavery, Copyright Slavery
[via chaos tv]

kurzfilm: android 207

in dem kurzfilm “android 207” versucht sich ein roboter, durch ein labyrinth voller gefahren, seinen weg zu bahnen. das ganze gleicht teilweise einem jump’n’run spiel. und durch die s/w optik bekommt der film einen eigenen charme (so ganz geheime/verbotene experimente an einem ort von dem niemand etwas weiss, so anfang/mitte des 20sten jahrhunderts).
sehr gelungene 10 minuten stopmotion-animationsfilms, in denen man mit freude dem roboter zuschaut, wie er all diese hindernisse ueberwindet.

zum film: android 207
oder alternativ bei google video

[via phlow]

big brother awards 2007 schweiz

am freitag (09.11.2007) fanden in st. gallen, die schweizer big brother awards 2007 statt. und die gewinner sollen natuerlich nicht unerwaehnt bleiben:

*Kategorie Staat: Bundesrat Christoph Blocher (BWIS)
*Kategorie Business: Krankenkasse Helsana (Gesundheits-Controlling)
*Kategorie Arbeitsplatz: SBB, gemeinsam mit dem BAV (Drogentests).
*Lebenswerk-Award: Bundesrat Christoph Blocher (BWIS).

Gewinner eines Winkelried-Awards für eine Person oder Organisation, die sich im Jahr 2007 besonders gegen Überwachung und Kontrolle einsetzte, wurde Thomas “BloggingTom” Brühwiler.

die einzelnen nominierten dieses jahr kann man sich hier nochmal anschauen. die laudatio auf die einzelnen preistraeger, liegt hier, und eine uebersicht ueber verschiedenste pressemitteilungen findet man hier.

so funktioniert politik

in der sueddeutschen zeitung berichtet ein spd-politiker, wie der hase wirklich laeuft:

Bevor über die Reform im Bundestag abgestimmt wurde, haben wir im Umweltausschuss, dem ich angehöre, heftig darüber gestritten. Es ist so, dass über eine Gesetzesvorlage zum ersten Mal im Ausschuss abgestimmt wird, und in der SPD-Fraktion wurde entschieden, dass Gesetzesvorlagen in den Ausschüssen grundsätzlich nicht scheitern dürfen. In so einem Fall müssen wir uns fügen, obwohl wir SPD-Leute im Umweltausschuss die Reform gern abgelehnt hätten. Die Gewissensentscheidung, die jedem Abgeordneten die freie Wahl lässt, gilt, wenn überhaupt, nur für das Plenum, nicht für den Ausschuss. Was sehr hart ist, sitzen in den Ausschüssen doch die Fachpolitiker, die am besten Bescheid wissen. Die müssen dann auf Order der Fraktion einer Vorlage zustimmen, die sie eigentlich ablehnen.
[…]
Die wichtigste Aufgabe einer Regierungsfraktion scheint vielmehr darin zu bestehen, die Vorgaben der Regierung möglichst kritiklos umzusetzen und die SPD-Minister in ein gutes Licht zu rücken. Die politische Linie zu beeinflussen ist für Abgeordnete sehr schwierig. Wer häufig gegen die Mehrheit stimmt, ist bei der Fraktionsspitze schnell unten durch und wird irgendwann nicht mehr ernst genommen. Vor wichtigen Entscheidungen werden Abweichler unter Druck gesetzt und zum Beispiel zu Einzelgesprächen ins Büro von Peter Struck, unserem Fraktionsvorsitzenden, zitiert.
[alles lesen]

mir ist gerade richtig schlecht geworden…..
[polemik anfang] politiker sind irgendwie noch schlimmer als religioese fanatiker. denn die fanatiker ziehen wenigstens die sache, an die sie glauben und von der sie ueberzeugt sind, kompromisslos durch. der grossteil der politiker jedoch, ist nichts weiter als ein rueckgratloses und ueberbezahltes pack. [polemik ende]

[via fefe]

der wahlstift-hack

der ccc zeigt in dem video wie leicht man wahlstifte austricksen kann:

Bei der anstehenden Landtagswahl in Hamburg soll ein neues, digitales Wahlsystem zum Einsatz kommen, das die bisherige Papierwahl ersetzen soll. Das System – unter dem Namen “digitaler Wahlstift” bekannt – basiert auf einem Kugelschreiber mit eingebauter Kamera, der beim Aufdruck der Mine den auf dem Papier gezogenen Weg protokolliert. Dazu verlässt er sich auf eine kaum sichtbare Musterbedruckung, die jeden Punkt auf dem Papier eindeutig kennzeichnet und für die Kamera ermittelbar macht.

Der Chaos Computer Club demonstriert in diesem Video, wie ein für dieses System hergestellter Wahlzettel durch Einsatz eines handelsüblichen Scanners und Druckers sowie einer Bildbearbeitungssoftware so manipuliert werden kann, dass die Wahl einer Partei einer anderen zugeschlagen wird. Da das Hamburger Wahlgesetz die schriftlich abgegebenen Stimmen generell nicht zählt, sondern nur die digitale Auswertung akzeptiert, ist so eine Wahlfälschung ohne Entdeckungsrisiko möglich.

Der hier demonstrierte Angriff ist bereits der zweite, der vom Chaos Computer Club praktisch demonstriert wurde. Der erste Angriff wurde durch die Platzierung einer Trojaner-Software auf dem Wahlstift vorgeführt, die den Zählcomputer beim Auslesen des Wahlstiftes befiel.

Links:

* Chaos Computer Club zeigt prinzipielle Sicherheitslücken beim Hamburger Wahlstift

zum video / direkt (.mp4/05:54min)