Daily Archives: 2007-10-16

links vom 16-10-2007

chaos computer club
Fingerabdruck im Reisepass: Risikoexperiment an der Bevölkerung beginnt
Ab 1. November startet die Erfassung der Fingerabdrücke aller reisewilligen Bürger der Bundesrepublik auf den Meldeämtern. Nach Beginn der Speicherung des digitalen Gesichtsbildes auf einem Funkchip vor zwei Jahren wird damit das Projekt biometrische Vollerfassung der Gesamtbevölkerung fortgesetzt. Der Chaos Computer Club (CCC) weist nochmals auf die Risiken und Nebenwirkungen des ePasses hin, die insbesondere Senioren betreffen werden. […] Der CCC weist darauf hin, dass nur noch wenige Tage Reisepässe ohne Fingerabdruckerfassung auf den Bürgerämtern beantragt werden können. Auch Besitzer eines noch gültigen Passes können einen neuen Pass beantragen und so die Zeit bis zu einer Verfassungsprüfung überbrücken. Bis dahin kann man sich auf diesem Wege der biometrischen Datensammelwut der deutschen Behörden entziehen.

futurezone
Roboter scannt Bayerns Nationalbibliothek
Der in Österreich entwickelte Buchscanner ScanRobot von Treventus ist über die Landesgrenzen hinaus gefragt und scannt nun in München Werke aus dem 16. Jahrhundert.
EU: Nationale Sicherheit über Datenschutz
Die britische Bürgerrechtsorganisation Statewatch hat Entwürfe der EU-Ratspräsidentschaft zu einem EU-Rahmenbeschluss zum Datenschutz publiziert.

Zu den veröffentlichten Papieren gehört auch ein Entwurf für den Rahmenbeschluss, der den Datenschutz in Angelegenheiten der Polizei und Justiz regeln soll.

golem
Microsoft mit zwei Open-Source-Lizenzen
Die Open Source Initiative (OSI) hat zwei Lizenzen aus Microsofts Shared-Source-Programm anerkannt, womit diese nun ganz offiziell Open-Source-Lizenzen sind. Microsoft hatte sie der OSI im August 2007 zur Zertifizierung vorgelegt.

heise
Genf sichert Wahldaten mit Quantenkryptographie ab
In Genf werden Wissenschaftler der örtlichen Universität erstmals zwei Wahlzentren über Glasfaser miteinander verbinden und die darüber laufenden Daten dann mit einem quantenkryptographischen Verfahren verschlüsseln. “Es ist meines Wissens nach das erste Mal weltweit, dass eine Organisation nicht nur Quantenkryptographie testet, sondern die Technologie tatsächlich zur Absicherung echter, wertvoller Daten verwendet”, sagt Gregoire Ribordy, Direktor der id Quantique SA, einem Spin-off der Universität Genf, das die verwendete Technologie kommerziell entwickelt hat.
Datenschützer gegen Ausweitung der Volkszählung
Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar hat das erneute Drängen der Länder zur Verwendung von Zensusdaten zur Korrektur der Melderegister entschieden als verfassungswidrig zurückgewiesen. “Die Bundesregierung hat die vom Bundesrat bereits im Mai diesen Jahres bei der Einbringung des Gesetzentwurfs geforderte Möglichkeit der Einzelfallüberprüfung von Meldedaten nach der Zusammenführung mit Daten aus anderen Verwaltungsregistern zu Recht abgelehnt”, erklärte Schaar am heutigen Dienstag.

quintessenz
Big Brother Awards Austria 2007 – Lauscht da jemand?
Alles hat seine Ordnung, alle tun ihre Pflicht, ob sie Gesetze zur Überwachung verabschieden, oder Kontrollsysteme herstellen und administrieren. Dazu trällert der Chor der Nichts-zu-Verbergen-Haber sein garstig polyphones Lied, der Gegenchor der Techniker stimnmt die Fuge vom “Nichts-zu-Verantworten-Haben” an.

Der durchschnittliche Nichts-Machen-Könner hört alles das schon lang nicht mehr bewusst. Kann er doch Stimmen und Geräusche nicht mehr auseinanderhalten, da im rosa Rauschen des digitalen Medienalltags alles eins geworden ist.

ueberwachung in menschenmengen

Noch vor den Anschlägen im Juli 2005 auf die U-Bahn in London ist das europäische Projekt Integrated Surveillance of Crowded Areas for Public Security (Iscaps) gestartet worden. Zehn europäische Unternehmen kooperieren hier, gefördert durch die Europäische Kommission, um von vielen Menschen belebte Orte automatisch überwachen und durch Erkennung von Personen oder Verhalten beispielsweise vor Terroranschlägen schützen zu können.
[…]
Überdies soll das System auch mögliche Kriminelle anhand von verdächtigen Körperbewegungen erkennen. Mit der Technik sei es auch möglich, den Weg einer Person nach einer Tat auf gespeicherten Videos nachzuvollziehen. Mit 30 Merkmalen wird eine Person, die verfolgt werden soll, von dem System “charakterisiert” und aufgrund von diesen auf anderen Bildern angeblich wiedererkannt. In einer Supermarktkette wird das System bereits getestet.
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wieder mal die alte leier. ueberwachung wirkt gegen die boesen terroristen. alles wird gut – wird es nicht, zumindest nicht so.
ich sehe das ganze aehnlich wie fefe:

Also ich bin da ja skeptisch. Wenn ein Mensch mit einer Erkennungs-Aufgabe Schwierigkeiten hat, dann ist das im Allgemeinen mit Computern erst Recht nicht lösbar. Aber hey, das schadet ja nichts, da ein paar Milliarden von unseren Steuergeldern reinzupumpen, die armen Rüstungsfirmen wollen schließlich auch leben.

rangliste der pressefreiheit

die reporter ohne grenzen haben zum nun schon sechsten mal ihre rangliste zur pressefreiheit veroeffentlicht. vertreten sind 169 laender. oesterreich beispielsweise liegt auf platz 16, deutschland etwas abgeschlagener auf platz 20 was wahrlich kein grund zur freude sein kein. wenn man bedenkt dass es sogar polen oder die tschechen weiter nach vorne gebracht haben oder dass costa rica nur einen platz hinter deutschland liegt. auf platz eins und zwei haben es mal wieder staaten aus dem norden geschafft, naemlich island und norwegen.
auch fuer netzaktivisten in bestimmten laendern sieht es nicht besonders gut aus. laut reporter ohne grenzen sollen derzeit mindestens 64 menschen wegen publikationen im netz inhaftiert worden sein. spitzenreiter in dieser kategorie ist natuerlich china, wo 50 menschen inhaftiert wurden. ja china, da wo demnaechst die olympischen sommerspiele stattfinden sollen.

gesundheistschaeden und unfruchbarkeit durchs iphone

oh mann, das iphone kann echt krank machen. da hat sich apple mal wieder ein grosses ding geleistet:

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat Apples iPhone daraufhin untersucht, ob giftige Substanzen in dem Mobiltelefon enthalten sind. Dabei wurden gleich mehrere als gesundheitsgefährdend eingestufte Stoffe entdeckt. Erst im Mai 2007 hatte Apple versprochen, auf giftige Substanzen in ihren Produkten komplett zu verzichten.

Greenpeace hat insgesamt 18 Komponenten des iPhones auf Umweltverträglichkeit hin überprüfen lassen. Dabei fand die Forschungsabteilung der Umweltschutzorganisation giftige Bromverbindungen und gefährliches PVC im Apple-Handy. Die Bromverbindungen befinden sich an der integrierten Handy-Antenne des iPhones, während die Headset-Kabel Phthalate (Weichmacher) enthalten.
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und kurz nach dieser meldung landete die naechste meldung zum iphone bei golem: Apple droht Klage wegen des giftigen iPhones
denn im u.s.-bundesstaat ist es laut gesetz verpflichtend warnhinweise an produkte anzubringen die gesundheitsschaedigende stoffe enthalten, was apple offensichtlich nicht getan hat.

kommt es eigentlich nur mir so vor oder geraet apple in letzter zeit immer haeufiger in die negativschlagzeilen?

want to die as a virgin?

Cyanide and Happiness, a daily webcomic
Cyanide & Happiness @ Explosm.net

:)

platter fuer imsi-catcher-einsatz ohne richterliche kontrolle

der oesterreichische innenminister guenther platter eifert in letzter zeit seinem deutschen kollegen, in sachen datenschutz- und grundrechteabbau, auesserst zielstrebig nach. wobei ich platter weniger kalkuel als dem deutschen innenminister unterstelle und er einfach nur nachzieht um auf der gleichen linie zu bleiben – aber das kann ich natuerlich nicht belegen und es handelt sich deshalb auch nur um vermutungen!
wie auch immer, platter hat sich dafuer ausgesprochen den einsatz von imsi-catchern ohne richterlichen vorbehalt ins gesetz aufzunehmen, natuerlich nur in ausnahmefaellen. offiziell hoert sich das dann so an:

Konkret geht es um den von der Regierung zur Begutachtung verschickten Entwurf eines neuen § 53 Sicherheitspolizeigesetz. In den Absatz 3a soll ein neuer dritter Satz eingefügt werden: “Ist auf Grund bestimmter Tatsachen anzunehmen, dass eine gegenwärtige Gefahr für das Leben oder die Gesundheit eines Menschen besteht, sind die Sicherheitsbehörden zur Abwehr dieser Gefahr darüber hinaus berechtigt, von den Betreibern im Mobilfunkbereich Auskunft über Standortdaten und die internationale Mobilteilnehmerkennung (IMSI) zu verlangen sowie technische Mittel zur Lokalisierung einer von einem gefährdeten Menschen mitgeführten Endeinrichtung zum Einsatz zu bringen.”

kritik kommt dabei u.a. von den gruenen die sich anscheinend ein bisschen mit der thematik auseinander gesetzt haben und das gefaehrdungspotential, welches von diesem gesetz ausgehen wuerde, sehen:

Für das Aufspüren vermisster Personen sei ein IMSI-Catcher völlig überflüssig. In den Anmerkungen des Ministeriums wird mit der Abwehr akuter Gefahren argumentiert. Damit soll der Einsatz von IMSI-Catchern gerechtfertigt werden. Damit, betonte Pilz, wolle der Innenminister die richterliche Kontrolle aushebeln. Denn es sind weder eine gerichtliche Genehmigungspflicht noch zeitliche Beschränkungen für den Einsatz der 600.000 Euro teuren Abhörgeräte vorgesehen. Derzeit verfüge die Polizei über drei solche Apparate und wolle einen Vierten anschaffen.
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bei soviel offensichtlichen widerspruechen duerfte klar sein, es geht nicht darum irgendwelche vermissten personen aufzuspueren (wofuer braucht der mann verdammt nochmal dazu einen imsi-catcher???).
es ist teilweise schon erstaunlich mit wieviel offensichtlichkeit man in oesterreich ein neues ueberwachungsgesetz beschliessen kann. gut, es ist noch nicht durch, aber so wie ich die oesterreichische bevoelkerung einschaetze, wird mal wieder kein hahn danach kraehen. naechste woche kommt die novelle dann zum nationalrat wo diese dann aller wahrscheinlichkeit nach beschlossen wird.

herr platter sie koennen sich gleich hinter den anderen ueberwachungsfetischisten einordnen.