Monthly Archives: September 2012

Etwas zu ändern…


[via das kfmw]

Netzpolitischer Aktivismus in Graz

Seitdem ich kürzlich bei dem Daten.Netz.Politik Kongress in Wien (#dnp12) war, ist mir mal wieder eines deutlich klar geworden: es gibt keine Netzpolitikszene in Graz! Es mag einzelne Personen und Grüppchen geben, die das Thema auch irgendwie auf dem Radar haben. Aber im Endeffekt nichts nennenswertes. Nichts was nach außen strahlt. Nichts was außerhalb einer kleinen (geschlossenen) Gruppe Relevanz hätte.
Das alles ist keine neue Erkenntnis, aber seit dem Netzpolitikwochenende in Wien treibt mich der Gedanke: da muss was passieren! Hier in Graz – jetzt!

Bei ein paar ersten Sondierungsgesprächen, bin ich damit auch auf offene Ohren gestoßen, was auch schon mal etwas Rückhalt gibt und mich darin bestätigt an der Sache dran zu bleiben. Leicht wird es nicht. Netzwerk- und Kommunikationsstrukturen müssen sich erst bilden und beginnen zu funktionieren.

Aber von vorne. Was ist eigentlich das Problem in Graz?
In gewisser Weise ist Graz eine lebendige Stadt, was Kunst, Kultur und Technologie angeht. Auch abseits des Mainstreams und abseits von primär finanziellen Interessen. Andererseits auch wieder so gar nicht.
Das Hauptproblem der “freien Szene” ist – auch immer wieder bestätigt in Gesprächen mit unterschiedlichen Leuten, die in Graz in irgendeiner Art aktiv sind – dass es keine wirklich gute Kommunikation und Vernetzung der einzelnen Gruppierungen untereinander gibt. Es gibt zig regelmäßige und unregelmäßige Stammtische und Treffen und Veranstaltungen, die aber meist in ihrem eigenen Sumpf dahin existieren.

Als einen wichtigen Multiplikator hab ich in der Vergangenheit immer den Webmontag Graz gesehen. Sehe ich auch heute immer noch so – bis zu einem gewissen Grad. Nur leider bisher ohne die erwünschte (meine erhoffte) Breitenwirkung. Über die Gründe dafür ließe sich vielleicht auch noch mal diskutieren. Ist jetzt aber nicht so sehr Thema.

Wie auch immer, in Graz fehlt ein Kern an Leuten und ein loser, bunter Haufen drumherum, der sich unter dem Dach Netzpolitik und Netzaktivismus zusammenschließt und das nach Außen trägt. In welcher Form auch immer. Vom künstlerisch-kreativen Ansatz, hin zu Hard-Facts getriebenen Diskussionen, Argumentationen und Informationsaufarbeitung- und Bereitstellung.

Meine Zielsetzung ist es, nachhaltig eine bewegungsfähige Community an Leuten mit aufzubauen, denen das Thema Netzpolitik und Netzaktivismus ein wichtiges Anliegen ist. Das kann ich nicht alleine. Das kann ich nicht ohne euer Feedback und ohne euern Support. Alle die sich angesprochen fühlen, sind herzlich dazu eingeladen, was beizusteuern, zu kritisieren, Ideen zu pushen und den Gedanken weiterzutragen!

Ich habe momentan weder einen Masterplan, noch die Gewissheit, dass sich das über einen längeren Zeitraum trägt.
Aber: wenn das Thema jetzt nicht angegangen wird , wird es auch in den nächsten 10 Jahren nicht in Graz angegangen. Und dann dürfte in den entscheidenden Fragen, so ziemlich vieles verspielt sein.

Was ich möchte:
*Leute, die das Thema interessiert, ansprechen und miteinander vernetzen
*daraus entstandenes Wissen wieder in die einzelnen Communities zurückfließen lassen
*eine zentrale Anlaufstelle zu allen möglichen Themenbereichen rund um Netzpolitik / Netzaktivismus aufbauen
*die einzelnen Communities untereinander stärker vernetzen
*Kampagnen, Aktionen, Demos (mit)gestalten
*Medienarbeit (auch in Form von Mashups, Remixen, …) befördern
*eine Schnittstelle zur lokalen und überregionalen Medienaufmerksamkeit bieten
*Kompetenzen erwerben und weiterverbreiten
*immer wieder auch “themenfremde” Communities mit einbeziehen und ihnen die Thematik greifbar machen

Zielsetzung:
*einen starke, bewegungsfähige Gruppe an Netzaktivisten, die unabhängig in Graz agieren kann
*Wissen verbreiten
*politische Bewusstseinsbildung
*Kampagnen etc. gestalten und durchführen
*regelmäßiger Austausch mit Interessierten und “Experten”
*eine funktionierende Diskussionskultur innerhalb der Grazer Kunst, Kultur und Technologie-Szene

Das mögen teilweise noch so sehr weit entfernte Ziele sein, aber ich möchte schonmal eine mögliche Richtung erkennen lassen. Das Ganze soll auch kein Solo-Projekt von mir werden! Im Gegenteil – ich lege nur den Grundstein, der Rest wird sich hoffentlich auf viele Schultern, mit noch besseren Ideen und Ansätzen verteilen.

Einer der ersten Schritte wird es auch sein, das man sich mal mit Interessierten trifft (Kick-Off Meeting!?) und sich austauscht. Das wird wahrscheinlich irgendwann in den nächsten Wochen passieren und hier noch mal seperat angekündigt

Ich bin für jedes Feedback, alle Ideen und kritische Kommentare offen!
Wenn ihr das nicht hier in den Kommentaren machen wollt, bin ich auch via Mail, Jabber und Twitter, die meiste Zeit erreichbar.

Wie es beim #dnp12 schon so schön hieß: Es ist das Jahr des Aufbruchs! Hoffentlich kommt das auch in Graz an.

–Update–
Es gibt jetzt auch eine Mailingliste auf die ihr euch eintragen könnt um am Laufenden zu bleiben und mitzudiskutieren. (Danke dafür an Stefan!)
Desweiteren habe ich vorsorglich schonmal 2 Twitteraccounts reserviert: @digigesgraz und @netzpolitikgraz. Ihr könnt mich ja wissen lassen, welcher euch sympathischer ist und in Zukunft verwendet werden soll.
– –

Der weitere Verlauf wird natürlich hier im Blog festgehalten. Die einzelnen Posts dazu, werde ich mit ‘digiges graz‘ taggen. Diese sind somit auch seperat und abseits des anderen Contents hier im Blog, als RSS-Feed abonnierbar.

#DNP12 – Der Facebook-Überwachungsstandard

Im Rahmen der Daten, Netz & Politik 2012 Bloggerticketaktion war es auch Aufgabe von einem Vortrag pro Kongresstag zu berichten. Dies ist der Zweite von meinen zwei Blogposts, so wie er auch auf unwatched.org erschienen ist.

Tag 2: Der Facebook-Überwachungsstandard
Speaker: Erich Moechel

Der Facebook-Überwachungsstandard

Unter dem Titel “der Facebook-Überwachungsstandard” präsentierte Erich Moechel den folgenreichen Entwurf des Europäischen Instituts für Telekommunikationsnormen (ETSI). Kern des Ganzen, ist das Sicherheitsbehörden die Möglichkeit erhalten sollen, sämtliche verschlüsselte Kommunikation abzuhören.

Dabei geht es nicht nur um Facebook-Kommunikation, sondern um sämtlichen (https) verschlüsselten Datenverkehr von “Cloud-Services”, also auch Diensten wie Twitter, Gmail, privaten Chats oder Videokonferenzen bis hin zu Virtual Private Networks (VPN).

Treibenden Kräfte dahinter kommen unbestritten aus dem militärisch-elektronischen Komplex. Aber nicht nur daher. Weiters zeigt die britische Regierung reges Interesse an dem neuen Standard, die diese Überwachung gesetzlich festlegen will.

Ein weiterer interessanter Punkt an dem Vorhaben ist, dass es sich bei der ETSI weder um eine staatliche noch um eine EU-Organisation handelt. ETSI ist ein privater Verein, der die Befugnisse hat, europaweite Telekommunikationsstandards festzulegen.

Technisch läuft das so ab, dass dem Benutzer eine “manipulierte Verschlüsselung” untergeschoben wird. Der Telekomanbieter (Internetprovider) muss den verschlüsselten Datenverkehr seiner Kunden, durch Manipulation beim Aufbau der Verschlüsselung brechen. Mehr dazu hat Erich Moechel diese Woche in einem Artikel auf FM4 geschrieben.

Unvermutete Verbündete: Gegen die Einführung dieses Standards wettern nicht nur Netzaktivisten, sondern auch die Telekomanbieter selber. Diese sind nämlich gerade dabei unter dem Namen Universal Integrated Circuit Card (UICC) ihre neue Smart Card Plattform einzuführen. Damit sollen Bezahlvorgänge übers Smartphone abgewickelt werden (beispielsweise: Fahrkartenkauf). Wesentlicher Bestandteil dieses Systems ist es, den Kunden eindeutig zu identifizieren und alle persönlichen Daten sicher (verschlüsselt) zu behandeln. Dies steht jedoch im kompletten Widerspruch zu dem ETSI-Standard, der explizit die Entschlüsselung sämtlicher verschlüsselter Daten verlangt.

Sollte der “Facebook-Überwachungsstandard” verpflichtende Realität werden, wäre das eine Bankrotterklärung für freie und sichere Kommunikation sowie auch eine wirtschaftliche Pleite, da keine sicheren Onlinebezahlverfahren mehr gewährleistet werden könnten.

#DNP12 – How-To: Wie baut man mit wenigen Mitteln eine Anti-ACTA-Kampagne?

Im Rahmen der Daten, Netz & Politik 2012 Bloggerticketaktion war es auch Aufgabe von einem Vortrag pro Kongresstag zu berichten. Dies ist der Erste von meinen zwei Blogposts, so wie er auch auf unwatched.org erschienen ist.

Tag 1: How-To: Wie baut man mit wenigen Mitteln eine Anti-ACTA-Kampagne?
Speaker: Markus Beckedahl

#DNP12: How-To: Wie baut man mit wenigen Mitteln eine Anti-ACTA-Kampagne?

In seinem Vortrag beschreibt Markus Beckedahl (Digitale Gesellschaft e.V., netzpoltik.org) anhand seiner Erfahrungen bei den Anti-ACTA Protesten, wie eine Kampagne für digitale Bürgerrechte erfolgreich sein kann.

Kernaussage: Kampagnen funktionieren nicht nur aus dem Netz heraus. Wichtig sei es auch auf die Straße zu gehen, unterschiedlichste Zielgruppen anzusprechen, Multiplikatoren zu finden, medienwirksam zu sein und wie am Beispiel ACTA, einen langen Atem zu haben. Die Anti-ACTA-Proteste zogen sich über mehrere Monate hin, von den ersten großen Demos im Winter – bei denen 100.000 Menschen in Polen auf die Straßen gingen – bis hin zur Ablehnung des Abkommens im EU-Parlament.

EIne große Überraschung und Neuerung bei diesen Protesten, war, laut Beckedahl, die hohe Beteiligungsgrad der “Youtube-Kiddies”. Also Jugendliche, die nicht vordergründig politisch am Netz teilnehmen, sondern eher unpolitische Filmchen auf Youtube stellen.

Entscheidend war es auch die Leute über einen längeren Zeitraum zu motivieren, ihnen brauchbare Informationen zur Verfügung zu stellen und diese auch außerhalb der eigenen Peer-Group zu verbreiten. In diesem Punkt wäre es laut Beckedahl jedoch wünschenswert, wenn es eine geeignete und einfach zu nutzende Kampagnenplattform gäbe.

Die Digitale Gesellschaft hat im Rahmen der Anti-ACTA Proteste Infomaterialien bereitgestellt, Texte geschrieben und übersetzt, Videos erstellt und Lobbyarbeit bei den EU-Abgeordneten geleistet. Gerade die Lobbyarbeit auf EU-Ebene hat einen wesentlichen Beitrag zur Entscheidung geliefert.

Um beim letzten Aktionstag gegen ACTA, am 9. Juni 2012, vor der EU-Entscheidung noch einmal aufzufallen, hat die Digitale Gesellschaft Pakete mit Demoflyern, Stickern, Postkarten und Absperrbändern in über 180 Städte geschickt. Möglich war dies, weil der Verein im Vorfeld Geld bei der Crowdfunding-Plattform betterplace.org gesammelt hatte.

Als nächstes plant die Digitale Gesellschaft eine Kampagne zum Thema Netzneutralität durch zu führen. Vielleicht gibt es dann bei der nächsten DNP, in einem Jahr, mehr davon zu hören.

musik aus der küche

und dann sitzte eines kongress-vorabends in einer küche, in einer fremden wohnung, in wien. allein. und machst halt so internetz-zeugs und natürlich läuft auch musik. und die ist schlicht so grossartig wie auch unterschiedlich. und gehört deswegen auch hier rein:

*Das Kraftfuttermischwerk – Risikogruppe Podcast: Liegestühlchen

[link]

*Robag Wruhme – Olgamikks

[link, via @isanoj]

*Northernshore – Murazzi

[link]

*Blu Mar Ten Music Podcast – Chapter 1

[link]

*DJ Koze – BlastFM Mix
[link, via deepgoa]

*Funkvergnügen – Funkvergnügen

[link]

Webmontag Graz #37: Die Sommerpause ist vorbei

webmontag_logo
Nachdem der Webmontag Graz seine wohlverdiente Sommerpause genossen hat, gehts jetzt im September wieder frisch weiter. Nächster Termin ist der 17.09.2012, wie gewohnt in der ESC, ab 19h.

Zu den Themen dieses Mal:
Session I: Was im Sommer passierte…
Stefan und ich haben seit dem letzten Webmontag ein paar Veranstaltungen (mit Web-Bezug) besucht bzw. auch mitorganisiert die wir noch einmal kurz Revue passieren lassen wollen. Ausserdem gibt es noch einen kleinen Ausblick auf zukünftige Veranstaltungen. Konkret wird es um Folgende gehen:
- Open Week Graz & #webbier
- Ars Electronica 2012
- i-Know 2012
- Daten, Netz & Politik Kongress
- Elevate Festival 2012 / Elevate Award Steiermark Nominierung für das Open Science Projekt
- Freie Universität Graz: gemeinsames Lernen und Online Kurse

Session II: Messbarkeit von Viralität (Schwerpunkt Facebook)
Steht noch nicht 100%-ig. (…mehr dazu dann, wenn ich was weiß.)

Lightning Talks:
Gibts bisher noch keine konkreten Vorschläge. Wenn wer was machen will, bitte melden bzw. dann auch spontan beim Webmontag selber.

Ich freu mich auf spannende Diskussionen!
PS: Hier nochmal der Hinweis auf das Feedback vom letzten Webmontag vor der Sommerpause. Ich denke da lässt sich jetzt schon einiges von umsetzen.


Webmontag Graz #37
Mo: 17. September 2012 – ab 19h
@ ESC, Jakoministr. 16 (1. Stock)

Freier Onlinekurs: Securing Digital Democracy

papierwahl_logo
(Dieser Artikel ist bei papierwahl.at erschienen.)

Auf coursera.org ist diese Woche ein Onlinekurs zum Thema Sicherheit von (elektronischen) Wahlen gestartet.

Unter dem Titel Securing Digital Democracy erklärt J. Alex Halderman von der University of Michigan – den man u.a. auch noch von den indischen Wahlcomputern kennen könnte – welche Anforderungen ein modernes Wahlsystem erfüllen muss, wo die Schwächen liegen und was man als aufgeklärter Bürger darüber wissen sollte.

Computer technology has transformed how we participate in democracy. The way we cast our votes, the way our votes are counted, and the way we choose who will lead are increasingly controlled by invisible computer software. Most U.S. states have adopted electronic voting, and countries around the world are starting to collect votes over the Internet. However, computerized voting raises startling security risks that are only beginning to be understood outside the research lab, from voting machine viruses that can silently change votes to the possibility that hackers in foreign countries could steal an election.

Der Kurs dauert insgesamt 5 Wochen und ist in 10 Lectures unterteilt. Nach jeder Woche kann man auch an einem Quiz teilnehmen, um das Erlernte zu überprüfen und im Forum zu dem Kurs, kann man sich mit anderen Leuten zu spezifischen Themen austauschen.

Die Teilnahme an dem Kurs ist kostenlos. Man braucht lediglich einen Account bei coursera und gute Englischkenntnisse.