e-voting: die antwort auf eine frage, die nie gestellt wurde

ich beschaeftige mich ja seit kurzem auch zwangslaeufig etwas intensiver mit dem ganzen wahlcomputer/e-voting/i-voting ding. und eine frage die sich mir immer wieder stellt, lautet: warum der ganze zinnober? (und warum gerade jetzt?)

ich kann das ehrlich nicht nachvollziehen. und glaubt ja nicht, das wird jetzt so gepusht wegen den leuten die probleme haben waehlen zu gehen (behinderte, aeltere, pflegebeduerftige,…). es wird zwar immer wieder erwaehnt, dass man auch diese bevoelkerungsgruppen, das vermeindlich einfacherere waehlen ermoeglichen will, aber seien wir doch mal ehrlich, das ist nur vorgeschoben. schaut euch nur mal an, wie es mit barrierefreiem zugang im oeffentlichen raum (verkehr, amtsgebaeude, toiletten, u.ae) aussieht. das zieht also nicht.

wie siehts aus mit der steigerung der waehlerbeteiligung? mir waere kein fall bekannt in dem es eine wirklich signifikante steigerung gegeben haette. anfangs mag da vielleicht noch ein kleiner anstieg bemerkbar sein, weil einige leute auch neugierig sind und das mal ausprobieren wollen. aber die sinkende wahlbeteiligung hat eher andere gruende, als das sich die buerger jetzt zu bequem sind ins wahllokal zu gehen.

naechster punkt: die sicherheit. diese total sicherheit, die seitens der befuerworter immer stupide runterpropagiert wird, existiert nicht und kann mir auch nicht glaubhaft gemacht werden.
das absolute sicherheit nicht existiert wird jeder schonmal am eigenen leib erfahren haben, sei es durch schaedlinge (viren, trojaner, malware,…), ausspionierte passwoerter, oder einen einfachen festplattencrash. auch die “gefuehlte sicherheit” koennen die mir nicht verkaufen, schaut euch doch nur die verkackten (oder zumindest negative auffallenden) it-grossprojekte in der vergangenheit an. nicht mal die banken bekommen ihre systeme richtig gesichert (-> schwachstellen wurden immer wieder gefunden). stichwort in diesem zusammenhang – zero day exploits – der schwarzmarkt floriert.

desweiteren sind solche systeme nicht fuer alle transparent, im sinne von nachvollziehbar. selbst wenn der ganze foo opensource und einsehbar waere (was als quasi-allheilmittel aufgefuehrt wird, um die kritiker dann doch wieder zu besaenftigen), der ottonormal buerger weiss nichts mit einem sourcecode anzufangen. wohingegen ich bei einer wahl mit papier und stift, auch ohne entsprechendes hochschulstudium alles nachvollziehen und kontrollieren kann (zb: als wahlbeobachter). das verstehen meine grosseltern genauso, wie ein kind.

ein weiterer wesentlicher punkt, den viele aber oft vergessen ist das geheime wahlrecht. man geht ganz selbstverstaendlich in die kabine und macht das kreuz -allein(!) nicht vor den augen der familie, freunde oder anderer. das hat auch alles gute gruende. wer danach bekannt gibt wie man gewaehlt hat, trifft das als eigene entscheidung. und sollte es nicht so ein, kann man immer noch luegen (in this case, proof me wrong!).
wie siehts also aus wenn ich uebers internet abstimme? nunja…. vorratsdatenspeicherung und bundestrojaner moechte da mal nur als 2 stichwoerter anfuehren. einerseits soll ich dem staat vertrauen, dass alles geheim und sicher und toll von der buehne geht auf der anderen seite werden immer mehr und weitreichendere ueberwachungsmassnahmen gesetzt, die alle betreffen.

was soll also der ganze mist? eine wahl mittels wahlcomputer oder uebers internet abzuwickeln kostet mehr als, ich nenn das jetzt einfach mal, richtige wahlen. es ist unsicherer, macht mehr arbeit, schafft verunsicherung und verletzte grundlegende wahlprinzipien.
was reitet also die entscheidungstraeger, das zu forcieren? haben die einfach scheiss berater? lassen die sich von den falschen leuten beeinflussen? fliessen sogar gelder? ich weiss es nicht….
ein weiteres paradoxon ist doch, dass leute so weitreichende (auch technische) entscheidungen treffen, die noch nichtmal wissen was ein browser und sich morgens von ihren angestellten das internet ausdrucken lassen. gut politiker koennen nicht alles wissen, was ihnen da taeglich vorgesetzt wird, aber in dem punkt kommen wir wieder zu den beratern, usw. usf.

und anhand dieser einfachen milchmaedchenrechnung, sehe ich gerade absolut keinen grund von einem sicheren und verstaendlichen wahlsystem in ein unsicheres und schlechteres zu wechseln.
versteht mich nicht falsch, ich bin keineswegs technophob. ich liebe technik und sie ermoeglicht ganz grossartige dinge. ueber einen teil davon stolpere ich auch taeglich im netz. aber es gibt bereiche da ist eine technische loesung einfach die schlechtere und unpraktikablere.

2 responses to “e-voting: die antwort auf eine frage, die nie gestellt wurde

  1. Der gesamte eVoting Hype lässt sich auf Verwechslung bzw. Gleichstellung der Begriffe: Abzählen, Zählen und Nachzählen zurückführen.

    Abzählen kann ich nur Objekte
    Zählen kann ich die auf den Objekten befindlichen Symbole
    Nachzählen kann ich beides

    Somit fehlt den Wahlautomaten die in Wahlgesetzen oft nur implizite oder ungenannte Voraussetzung der dinglichen Repräsentanz der Willensbildung,, nämlich der Wahlzettel.

    Von so Kleinigkeiten wie der “besseren” Zuordenbarkeit von Wahlentscheidungen zu Wählern will ich gar nix schreiben (Wahlgeheimnis)

    belef

  2. Das Volk will dumm sein und die Verblödung findet beim Axel dem Springer seinen Lauf – soll man da etwas an Wunder und die Werke Glauben, wenn Popmusik die Köppe nicht verläßt?

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